F95 Schutzmasken, Anamnesebögen und Terminanfragen 04/05/2020

F95 Schutzmasken, Anamnesebögen und Terminanfragen über das Internet

Nach dem wir im Rahmen des Arbeitsschutzes nach Covid19 Schutzmasken gesucht haben überschwemmen uns Anbieter mit “Super-Sonder-Angeboten”. Es gibt, wenn man die Berichte der Selbstverwaltung zur Beschaffung liest mindestens so viele unseriöse Anbieter wie seriöse Anbieter von Terminverwaltung und Anamnesebögen im Internet.

Die digitale Kommunikation mit dem Patienten kann Zeit und Personal einsparen oder das Gegenteil mit entsprechendem Umsatz- und Ertragsverlust bei vorgehaltenen und nicht wahrgenommen Terminen.

Was sollten Sie beachten?

Der Dienstleister, der die Patientenkommunikation digitalisiert sollte sich an Standards und Vorgaben halten, dann können die Daten digital importiert und digital weiterverarbeitet werden.

Zum 1.1.2021 sind Sie als Behandler für GKV-Patienten gesetzlich verpflichtet dem Patienten “Arztbriefe” in seine digitale, von der Krankenkasse bezahlte und technisch betriebene Akte einzuspielen. Alle gesetzlich Versicherten haben die Möglichkeit eine elektronische Patientenakte (ePA) zu nutzen. Die Nutzung erfolgt auf freiwilliger Basis und soll dazu beitragen, die Gesundheitsversorgung digital zu vernetzen. Ziel ist es, kostenintensive Doppeluntersuchungen zu vermeiden, die Patientenverwaltung zu vereinfachen, den einrichtungsübergreifenden Informationsaustausch zu erleichtern und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu verbessern

Im Rahmen der Beschlüsse des Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG) ist jede gesetzliche Krankenkasse dazu verpflichtet, den Versicherten die Möglichkeit der freiwilligen Nutzung einer elektronischen Patientenakte zur Verfügung zu stellen. Folgende Informationen sollen gespeichert werden können: Diagnosen und Befunde, Therapiemaßnahmen, Behandlungsberichte und Arztbriefe, Impfstatus, Notfalldaten, Medikationsplan …

Vorteile

  • Die elektronische Patientenakte dient als lebenslange Informationsquelle.
  • Vorausgehende Befunde stehen bei Bedarf schnell zur Verfügung.
  • Kostenintensive Doppeluntersuchungen können vermieden werden.
  • Vereinfachte Kommunikation zwischen Haus- und Krankenhausarzt (vereinfacht z.B. das Entlassmanagement).

Nachteile

  • Da der Patient über die Einstellung der Dokumente verfügen kann, können die Behandler nicht von einer medizinisch vollständigen Akte ausgehen. Die datenschutzrechtlichen Bestimmungen sollten vom Patienten genau überprüft werden, um z.B. zu verhindern dass im Rahmen einer Zahnbehandlung Befunde des Urologen abgerufen werden können

 

Technische Umsetzung zum 1.1.2021 vorgeschrieben

Für die technische Umsetzung des Datenaustausches gibt es seit 2014 genormte Struktur. Die Selbstverwaltung hat auch unter Berücksichtigung von Europarecht entschieden das technische Framework der IHE zu verwenden. CROSSSOFT verantwortet die Domäne Zahnmedizin in der IHE-Deutschland. Der Implementierungsleitfaden Primärsysteme (gemILF_PS_ePA_V1.4.0) – Elektronische Patientenakte (ePA) steht online zur Verfügung.

Wenn der Anbieter der Anamnesebögen im Internet auf dem Tablett oder Mobil-Gerät des Patienten diese Struktur nicht einhält werden Sie diese Daten weder importieren noch weiternutzenkönnen.

Lassen Sie sich also vor dem Kauf einer Homepage-Anbindung oder der Nutzung eines Internet-Anbieters zusichern, dass die Daten gemäß gematik Spezifikation gespeichert und übergeben werden.

Die eingescannten Faxe sind da nicht besser als speicherintensiv abgelegte Bilder der Anamnese.

Die Dokumentenverwaltung erfolgt auf Basis der IHE-Spezifikationen rund um das Kernprofil XDS.b (Cross-Enterprise Document Sharing). Der Arztbrief sollte im Format  HL7 CDA R2-Dokument vorliegen. Falls ein Arztbrief nur als PDF zur Verfügung steht hat dieser gemäß der Richtlinie eArztbrief (nach § 291f SGB V ) die verpflichtenden Teile CDA-Header und PDF-Dokument.

Was Sie benötigen sind also sogenannte CDAs  (Clinical Document Architecture). Dokumente die in XML-Form genormt gespeichert werden. CROSSSOFT unterstützt den Import von CDAs sogar mit farbiger Schrift (Erweiterung).  http://download.hl7.de/documents/cdar2-arztbrief/ArztbriefPlus-v314.pdf

Gerne stellen wir Ihnen die CDA-Erweiterung mit mehrfarbiger Schrift zur Verfügung.

Was für die Inhalte und Dokumente gilt trifft auch für die Terminanfragen oder Terminbuchungen zu. Es gibt nun Normen nach denen die digitale Kommunikation in Deutschland ab 2021 abläuft.

Die KBV hat für zwei Jahre die Aufgabe, die medizinischen Inhalte (Medizinische Informationsobjekte MIOs) festzulegen. Für eTerminserviceanfragen gibt es Vorgaben für alle kommerziellen KVDT-Systeme mit Arzt-Patienten-Kontakt. Für die Fachlichen Inhalte wurde eine einheitliche Schnittstelle auf FHIR-Basis (Fast Healthcare Interoperability Resources) im XML/JSON-Format spezifiziert.

Zu den gesetzlichen Regelungsaufträgen des [GKV-VSG] und des [TSVG] gehört, das Vorliegen einer Überweisung und ggfs. deren Dringlichkeit so nachzuweisen, dass beides elektronisch und telefonisch geprüft werden kann. Die Elfen der KV-Service-Hotline 116117 können damit in den Praxen freie Termine abrufen und belegen. Im Praxisterminkalender werden zu diesen Zweck Zeiten gekennzeichnet, die extern belegt werden können. Eine Zweckbestimung wie Erstgespräch ist möglich.

Hersteller und Betreiber müssen für ihre elektronische Patientenakte eine Zulassung bei der gematik beantragen. Im Rahmen eines Zulassungsverfahrens werden spezielle Testverfahren durchlaufen. In diesen werden die Funktionsweise und die Sicherheit durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik geprüft.

Gesetzesquellen: § 291a SGB V
Posted on