Bundesweite Rufnummer des ärztlichen Bereitschaftsdienstes: 116117

Der ärztliche Bereitschaftsdienst steht im Mittelpunkt einer neuen Kampagne von KBV und KVen. Damit soll die Bekanntheit der Rufnummer 116117 steigen. Über die Hintergründe spricht KBV-Vorstandsvorsitzender Dr. Andreas Gassen.

Warum eine Kampagne zur 116117?

Dr. Andreas Gassen, KBV-Vorstandsvorsitzender: “Wir machen die Kampagne zur 116117 aus dem Grunde, der uns zunehmend offensichtlicher wird: Die Nummer gibt es seit 2012 mittlerweile, aber die Bekanntheit ist noch nicht in dem Umfang vorhanden, wie wir uns das wünschen würden. Und angesichts der jetzt noch im Gesetz verankerten Erreichbarkeit von 24 Stunden sieben Tage die Woche glaube ich, es ist an der Zeit, die Nummer in das Bewusstsein der Bevölkerung zu bringen, da wir ja auch diese Nummer als Eingangspforte in die Neugestaltung der Notfallversorgung sehen. Auf der anderen Seite ist die 116117 ja auch die Nummer für die Terminservicestellen und hier werden sich ja im Laufe des nächsten Jahres für Patienten neue Optionen ergeben, die wir dann auch über diese Nummer bedienen können. Insofern wird die Kampagne das perspektivisch auch ins Auge fassen.

Welche Risiken geht die KBV mit der Kampagne ein?

Dr. Andreas Gassen, KBV-Vorstandsvorsitzender: “Die Risiken der Kampagne sind im Moment überschaubar, wenn der Gesetzgeber sich den aus meiner Sicht guten Vorschlägen der KBV und der anderen Player namens zum Beispiel Bundesärztekammer und Marburger Bund – und auch die gesetzlichen Krankenversicherer haben ja im Wesentlichen ins gleiche Horn gestoßen – anschliesst. Der Sachverständigenrat ist sehr nah bei uns. Das einzige, wo es einen kleinen Dissens mit dem Sachverständigenrat gibt, ist die Frage des dritten Sektors. Das ist aber vielleicht eher ein semantisches Problem. Also kurz und gut, wenn der Gesetzgeber sich den konstruktiven Vorschlägen anschließt, sehe ich kein Risiko in der Kampagne. Sollten sich hier komplett andere Rahmenbedingungen ergeben, sodass beispielsweise die Notfallversorgung kein Teil mehr des Aufgabenbereichs der Körperschaften wäre, dann wäre die Kampagne dann an dem Punkt auch zu beenden.

Wer finanziert die Kampagne?

Dr. Andreas Gassen, KBV-Vorstandsvorsitzender: “Die Kampagne finanzieren die KVen und damit die Vertragsärzte, das heißt, es ist wirklich eine Eigenleistung der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten. Das ist sicherlich auch ein Aufruf, dass es durchaus eine Option sein könnte, dass man das durch weitere Mittelzuflüsse auch weiter subventioniert. Da ich schon der Meinung bin, dass eine solche bundesweite Nummer für ärztlichen Bereitschaftsdienst und andere Patientenservices durchaus eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sind, und von daher muss man sicherlich die Frage stellen, ob das dauerhaft nur aus den Geldern der Vertragsärzte finanziert werden kann. Also, die niedergelassenen Ärzte halten ja den Bereitschaftsdienst seit langem oder eigentlich immer schon vor. Das heißt, viele Kolleginnen und Kollegen schlagen sich die Nächte um die Ohren, um einen ärztlichen Bereitschaftsdienst zur Verfügung zu stellen. Er wird auch von vielen Patienten genutzt. Es entsteht trotzdem manchmal das schiefe Bild, als ob es diesen Bereitschaftsdienst gar nicht gäbe und sich die Vertragsärzteschaft hier aus der Verantwortung stehlen würde, was so mitnichten der Fall ist. Deshalb wollen wir ja auch klar dokumentieren, wir sind diejenigen, die die ambulante Versorgung schultern, und das nicht nur jeden Tag in den Praxen mit weit über 650 Millionen Fällen, sondern auch abends und am Wochenende. Und das ist eine Aufgabe, die nicht immer spaßbewehrt ist, die die Vertragsärzte aber mit hohem Pflichtbewusstsein und hoher Expertise erfüllen, und ich finde, dann sollte man das auch klar herausstellen und sich nicht unsachlichen Anfeindungen ausgesetzt sehen.

Die Elfen, die helfen.

„Heute fiel der Startschuss für die große Kampagne der KBV und der KVen zur Bewerbung der Bereitschaftsdienstnummer 116117. „Die Elfen, die helfen“ werden die Nummer bundesweit bekannt machen, unter der niedergelassene Ärzte Hilfe leisten, wenn die Praxen geschlossen sind. Im kommenden Jahr soll der Service zu einem „Versorgungsportal“ ausgebaut werden.

Berlin, 30. August 2019 – Zwei Elfen in türkis- und pinkfarbenen Kostümen, „Elf6“ und „Elf7“, sind die Markenbotschafter der gleichnamigen Nummer, die ab heute mit einer neuen Kampange in Deutschland bekannt gemacht werden soll. „Zugegeben, unsere Elfen sind von ihrem Erscheinungsbild her eher unkonventionell – doch genau dadurch bleiben sie im Gedächtnis. Sie verkörpern im wahrsten Sinne des Wortes die Nummer 116117. Ein bisschen kurios, ein bisschen skurril und dadurch buchstäblich ‚merk’würdig“, erklärte Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), zum Start der Kampagne heute in Berlin.

Mit TV- und Online-Spots, Plakaten und Anzeigen wollen die KBV und die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) die Bereitschaftsdienstnummer noch bekannter machen. „Im vergangenen Jahr haben bereits sieben Millionen Anrufer die Nummer gewählt, doch wir wollen mehr erreichen“, so Gassen. Hintergrund ist, dass viele Menschen auch mit vergleichsweise harmlosen Beschwerden direkt ins Krankenhaus gehen oder den Notruf 112 wählen. Laut der aktuellen Versichertenbefragung der KBV verständigen nur 26 Prozent von über 5.600 Befragten den ärztlichen Bereitschaftsdienst, wenn sie nachts oder am Wochenende krank werden. Zwar gaben 37 Prozent an, die Telefonnummer des Dienstes zu kennen, allerdings konnte hiervon wiederum nur gut die Hälfte diese auch korrekt benennen.

„Deshalb machen wir diese Kampagne, wobei die Bewerbung der Nummer nur der erste Schritt ist“, erklärte Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV. Ab dem kommenden Jahr wird der Service hinter der Nummer stark ausgebaut. Ab Januar 2020 werden unter der 116117 auch die Terminservicestellen der KVen erreichbar sein, die Patienten schon jetzt Termine bei Ärzten und Psychotherapeuten vermitteln. Außerdem wird eine Schnittstelle zum Rettungsdienst unter der Nummer 112 eingerichtet, so dass Anrufer mit lebensbedrohlichen Beschwerden sofort an diesen weitergeleitet werden können. Um die Dringlichkeit des Anrufs einzuschätzen, werden die Callcenter mit einer Software zur medizinischen Ersteinschätzung (SmED, kurz für „strukturierte medizinischen Ersteinschätzung in Deutschland“) ausgestattet.

Die Elfen, die helfen.

Alle diese Angebote werden im Lauf des kommenden Jahres auch über die Website www.116117.de sowie über eine App für das Smartphone zur Verfügung stehen“, kündigte Hofmeister an. In ihrer Grundfunktion, das heißt für die Terminbuchung oder zum Verständigen des Bereitschaftsdienstes, wird die App ab Januar verfügbar sein. Bis Ende des Jahres 2020 sollen weitere Funktionen hinzukommen. Dann können Nutzer auch per Spracheingabe ihre gesundheitlichen Bescherden vortragen und bekommen anschließend einen Hinweis, wohin sie sich am besten wenden sollen, ob demnächst an einen niedergelassenen Arzt, sofort an den Rettungsdienst oder ob eine Selbstbehandlung ausreichend ist. „Wichtig ist dabei: Die App stellt keine Diagnosen. Sie gibt lediglich eine Einschätzung der Dringlichkeit und eine Empfehlung. Künstliche Intelligenz kann den Arzt oder die Ärztin allenfalls unterstützen, nicht ersetzen“, betonte Hofmeister.

KBV-Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kriedelhob den hohen Aufwand hervor, der hinter all dem stecke. „Wir sind dabei, ein Versorgungsportal für Deutschland zu schaffen, über das alle Menschen auf der Suche nach dem richtigen medizinischen Ansprechpartner qualifizierte und schnelle Unterstützung erhalten“, sagte er. Ab Januar wir die kostenfreie Nummer 116117 rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr erreichbar sein. Neben dem technischen Aufwand, der Entwicklung der App durch die KV Telematik und der Pflege der Website sei auch ein hoher personeller Ressourceneinsatz nötig. „Wir werden das Personal in den Callcentern auf etwa 1.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufstocken. Außerdem erhält das medizinisch qualifizierte Personal dort weitere Schulungen, etwa zum Umgang mit der Software zur Ersteinschätzung“, so Kriedel weiter.

Mit Blick auf die Politik und die aktuelle Diskussion um die Reform der Notfallversorgung betonte KBV-Chef Gassen: „Die Kassenärztlichen Vereinigungen haben den Sicherstellungsauftrag und diesen nehmen wir ernst. Mehr noch: Wir organisieren eine Rund-um-die-Uhr-Versorgung aus einer Hand – wenn man uns lässt.“

Den Original-Artikel finden Sie hier: www.kbv.de

(Quelle zuletzt abgerufen 30.08.2019, 16:28)

 

Bildquellen: © Lopata/axentis.de, Stand: 30.08.2019
Quelle: Pressekontakt der KBV
Roland Stahl
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Die Elfen, die helfen.
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