Zi-Paper: Besondere Kosten im Praxismanagement 07/10/2020

Zi-Paper: Besondere Kosten im Praxismanagement

Erhebliche Zusatzkosten durch Corona, Terminmanagement und IT

„Dass die Arztpraxen in der vergangenen Zeit höhere Ausgaben durch Corona-Schutzausrüstung, Terminmanagement sowie IT und Datenschutz zu verkraften hatten, wird oft thematisiert. Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (ZI) zeigt nun, was das in Euro bedeutet.

Sonderaufwendungen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie, kurzfristig nicht wahrgenommene Patiententermine sowie die Umsetzung der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) haben seit 2019 zu erheblichen Zusatzkosten in den deutschen Vertragsarzt- und Psychotherapiepraxen geführt, zeigt die am Dienstag veröffentlichte Auswertung der aktuellen ZI-Umfrage zu „besonderen Kosten im Praxismanagement“.


CORONA:

Bislang hat demnach jede Praxis im Mittel mehr als 1.300 Euro für persönliche Schutzausrüstung und weitere Hygienemaßnahmen wie Plexiglastrennwände zum Infektionsschutz gegen die Covid-19-Pandemie aufgewendet. Die erweiterten Hygienemaßnahmen haben die gewohnten Arbeitsabläufe im Praxisalltag in knapp 90 Prozent aller Praxen verändert. „Dies war insgesamt mit über sechs Stunden durchschnittlicher wöchentlicher Mehrarbeit verbunden“, so die Auswertung des ZI.

 

DSVGO:

Auch die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) sei nicht ohne Folgen für die Praxen geblieben: Zur Umsetzung der DSGVO hätten Praxen 2018 im Schnitt insgesamt 2.487 Euro für Maßnahmen aufwenden müssen. „2019 sind diese Aufwendungen um rund 18 Prozent auf 2.932 Euro gestiegen. Insgesamt schlugen die Kosten für IT in den Praxen 2019 mit rund 6.000 Euro pro Jahr zu Buche, die Steigerung betrug hier 60 Prozent gegenüber 2017.“

 

TSVGO:

TSVG schlägt mit über 800 Euro zu Buche; Für das Terminmanagement seien den Praxen – vor allem mit den Regelungen des Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG) seit Mai 2019 – Aufwendungen für IT und Mitarbeiterschulung zur Terminvergabe in Höhe von 885 Euro entstanden. „Dabei verursachten kurzfristig nicht wahrgenommene Termine Ausfälle, insbesondere in der fachärztlichen und psychotherapeutischen Versorgung, deren entgangene Honorare auf durchschnittlich rund 3.500 Euro im vergangenen Jahr geschätzt werden.“

Der Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried kommentierte die Werte am Dienstag in Berlin: „Die deutlichen Mehrkosten, die die Vertragsärzte und Psychotherapeuten durch das Covid-19-Pandemiemanagement sowie die Umsetzung von TSVG, DSGVO und anderen gesetzlichen Vorgaben schultern müssen, belasten den ambulanten Bereich in einer Zeit, in der viele Praxen am Anschlag arbeiten und die Budgets auf Kante genäht sind. Alleine diese zusätzlichen Kostenbelastungen sind geeignet, die für 2020 vereinbarte Preisanpassung für ärztliche Leistungen von 1,5 Prozent oder rechnerisch 3.900 Euro pro Praxis weitestgehend zu absorbieren – sofern diese Zahlungen bei pandemiebedingt rückläufigen Fallzahlen in den Praxen überhaupt ankommen.“

Damit seien etwa steigende Personalkosten der Praxen noch gar nicht berücksichtigt. „Zum Vergleich: Die Kliniken haben gerade erst ein vier Milliarden schweres Gesetzespaket zur Finanzierung von IT-Kosten zugestellt bekommen, obwohl die Niedergelassenen die Hauptlast der Versorgung während der Corona-Pandemie tragen. Wer den ambulanten Schutzwall lobt, sollte die Mehraufwendungen der Praxen auch vollständig vergüten“, forderte von Stillfried.

Quelle: ÄND: 06.10.2020, 12:24, Autor: js – den vollständigen Artikel finden Sie unter: https://www.aend.de/article/208330; zuletzt abgerufen 07.10.2020; 08:00 Uhr

Zum Herausgeber

Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland
Salzufer 8
10587 Berlin
www.zi.de

Autoren

Tim Müller-Walden, wiss. Mitarbeiter im Fachbereich Ökonomie

Markus Leibner, Fachbereichsleiter Ökonomie
(E-Mail: mleibner@zi.de, Tel. +49 30 4005 2411)

Martin Kohler, wiss. Mitarbeiter im Fachbereich Ökonomie

Berlin, den 06.10.2020

Bildquelle: Berechnung des ZI, Datengrundlage Zi-Erhebung „Besondere Kosten im Praxismanagement“, Abbildung 7, Durchschnittliche Kosten für die IT insgesamt und das PVS von 2017 bis 2019 in Praxen der vertragsärztlichen und vertragspsychotherapeutischen Versorgung

Download:
Zi-Erhebung: Besondere Kosten im Praxismanagement

(Autoren: Tim Müller-Walden, Markus Leibner, Martin Kohler)
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