HMV 2021 11/01/2021

HMV 2021

Zur Aktualisierung der Heilmittel-Richtlinie hier eine 

 – Zusammenfassung aus der ‘Ärzte Zeitung’, 11.12.2020

Für Bürokratieabbau gibt es jetzt laut KBV ein neues Wort: Heilmittelrichtlinie. Das neue Regelwerk, das ab dem 1. Januar 2020 in Kraft tritt, macht für Vertragsärzte und Psychotherapeuten vieles einfacher. Erst-, Folgeverordnung, verwandte Diagnosegruppen: Das kann man jetzt getrost vergessen. Dass das bisherige Verfahren, das „Bürokratiemonster“, zu Silvester begraben wird, darüber freut sich der Deutsche Hausärzteverband.

Als ein Beispiel nennen Jens Wagenknecht und Dr. Ulf Zitterbart, Mitglieder im Bundesvorstand des Hausärzteverbandes, die Regel, dass die Heilmittelbehandlung innerhalb von 14 Tagen nach Ausstellung der Verordnung beginnen musste. „Wenn der Patient das nicht geschafft hat, weil er etwa keinen freien Termin für die Physiotherapie bekommen hat, dann musste er erneut in die Praxis kommen, die Verordnung musste neu datiert, neu gestempelt und neu unterschrieben werden.“ Der Verband begrüßt es deshalb, dass nach der neuen Richtlinie erst nach spätestens 28 Tagen die Behandlung beginnen muss – so wie es während der Pandemie auch bereits möglich gemacht wurde.

Mehr Übersichtlichkeit, Verordnungssicherheit und Arbeitserleichterung bringt nach Ansicht von Zitterbart und Wagenknecht auch die neue Sparsamkeit beim Papier: Statt drei gibt es ab Januar nur noch ein Verordnungsformular. Auf dem dürfen Ärzte nun sogar mehrere Leitsymptomatiken und Heilmittel verordnen. Das, so das klare Urteil, diene dem Wohl der Patienten und spare Zeit. Und das sind die wichtigsten Änderungen, die auf Vertragsärzte und Psychotherapeuten ab dem 1. Januar zukommen: Ein Formular: Das neue Formular nach Muster 13 ersetzt die bisherigen drei. Das bedeutet folgerichtig, dass alle Heilmittel auf diesem Muster verordnet werden können. Neu hinzu kommt die Schlucktherapie.

Verordnungsfall:

Mit seiner Einführung ist für Ärzte die eigentlich erforderliche, aber im Praxisalltag kaum umzusetzende Detektivarbeit passe. Das heißt: Sie müssen ab dem Jahreswechsel nicht mehr nachforschen, wie viele Heilmittel andere Kollegen dem Patienten bereits verordnet haben. Was jetzt zählt, ergibt sich letztlich aus der konkreten Arzt-Patienten-Beziehung. Der Verordnungsfall umfasst nur noch alle Heilmittelbehandlungen, die ein Arzt einem Patienten aufgrund derselben Diagnose (das heißt, die ersten drei Stellen des ICD-10-GM-Codes sind identisch) und derselben Diagnosegruppe nach dem Heilmittelkatalog verordnet.

Auch wenn die Leitsymptomatik sich ändert oder unterschiedliche Heilmittel verschrieben werden, ändert sich der Verordnungsfall nicht. Nach sechs Monaten neuer Fall Ein neuer Verordnungsfall wird dagegen ausgelöst, wenn der Patient aufgrund einer neuen Erkrankung ein weiteres Heilmittel benötigt oder ein anderer Arzt ein Heilmittel verschreibt oder aber die letzte Heilmittelverschreibung aufgrund derselben Diagnose sechs Monate oder länger zurückliegt. Das bedeutet: Anders als bei der bisherigen Regelfallsystematik mit ihrem ärgerlichen behandlungsfreien Intervall spielt hier nicht das Datum der letzten erfolgten Behandlung in der Heilmittelpraxis, sondern das der Verordnung die entscheidende Rolle. Und das hat jeder Arzt durch seine Verordnungssoftware im PC selbst im Blick. Die Orientierende Behandlungsmenge ist im Heilmittelkatalog zu den jeweiligen Indikationen verzeichnet. Sie bezieht sich auf den Verordnungsfall und gibt an, mit wie vielen Behandlungseinheiten das Therapieziel in der Regel erreicht werden sollte. Damit gilt aber auch: Verordnungen, die über die orientierende Behandlungsmenge hinausgehen, sind bei medizinischem Bedarf möglich. Sie müssen nicht auf dem Formular, aber unbedingt in der Patientenakte begründet werden. Vorteil der neuen Regelung: Die komplizierte Unterscheidung zwischen Erst- und Folgeverordnung sowie Verordnung außerhalb des Regelfalls entfällt.

Höchstmenge je Verordnung:

Im Heilmittelkatalog festgelegt sind neben der orientierenden Behandlungsmenge auch die Höchstmengen an Behandlungseinheiten je Verordnung (bei Erkrankungen des Beckens oder der Extremitäten zum Beispiel maximal sechs Einheiten). Sie darf nur in Ausnahmefällen überschritten werden, etwa beim besonderen Verordnungs- oder langfristigen Heilmittelbedarf. Werden mehrere vorrangige Heilmittel aus dem Katalog verschrieben, muss die Höchstmenge auf diese aufgeteilt werden. Die Höchstmenge für das ergänzende Heilmittel richtet sich nach den verordneten Behandlungseinheiten des vorrangigen Heilmittels.

Langfristiger Heilmittelbedarf und besonderer Verordnungsbedarf:

Bei ihnen gelten die Beschränkungen der orientierenden Behandlungsmenge nicht. Vielmehr dürfen die notwendigen Behandlungsmengen auf ein ganzes Quartal bemessen werden. Da diese Bedarfe einen großen Teil der Heilmittelverordnungen in hausärztlichen Praxen verursachen, lohnt sich ein Blick in die entsprechenden Diagnoselisten. Besonders deshalb, weil die Kosten nicht in die Wirtschaftlichkeitsprüfung fallen bzw. herausgerechnet werden.

Frequenzempfehlung:

Für spürbare Erleichterungen in den Praxen wird auch die Neuerung sorgen, dass die Frequenzempfehlungen des Heilmittelkatalogs jetzt als Frequenzspannen hinterlegt werden.

Übersichtlicherer Heilmittelkatalog:

Der Katalog ist deutlich abgespeckt worden und ist jetzt übersichtlicher gestaltet. Im Bereich der Physiotherapie etwa wurden die ursprünglich 22 Diagnosegruppen in jetzt 13 zusammengefasst. Im Katalog finden sich zudem die Leitsymptomatiken, die orientierende Behandlungsmenge, die Höchstmenge je Verordnung, die vorrangigen und ergänzenden Heilmittel sowie die Frequenzempfehlung.

Behandlungsbeginn:

Die Heilmittelbehandlung muss innerhalb von 28 Kalendertagen nach der Verordnung beginnen. Liegt ein dringlicher Behandlungsbedarf vor, muss die Therapie spätestens nach 14 Kalendertagen starten. Die Dringlichkeit ist auf der Verordnung zu markieren. Eine detaillierte Übersicht über die Änderungen hat die KBV in der Reihe Praxiswissen veröffentlicht: https://www.kbv.de/media/sp/PraxisWissen_Heilmittel.pdf

Behandlungseinheiten:

Auch diese werden durch den Heilmittelkatalog vorgegeben. Etwa Höchstmenge manueller Lymphdrainagen je Verordnung: 6; orientierende Behandlungsmenge: 30.

Ist die Diagnoseliste in Anlage 2 zur Richtlinie aufgeführt (langfristiger Behandlungsbedarf) darf mehr verordnet werden – für bis zu 12 Wochen.

Heilmittelbereich:

Braucht der Patient eine Physiotherapie, Ergotherapie, podologische Therapie oder eine Ernährungstherapie? Durch das Kreuzchen oben rechts im Muster 13 wird dieses festgelegt. Anhand der Diagnose kann die Praxissoftware eine Vorauswahl treffen. Achtung, neu ist die explizite Verordnung der Schlucktherapie.

Ergänzende Heilmittel:

So weit medizinisch geboten, kann auch ein ergänzendes Heilmittel, das im Katalog angeboten wird, verordnet werden.

Cave: Diese Heilmittel werden bei der Zählung der orientierenden Behandlungsmenge und der Höchstmenge je Verordnung nicht mitgezählt. Im Bereich Physiotherapie können ergänzende Heilmittel auch isoliert verordnet werden, zum Beispiel Elektrotherapie. Therapiefrequenz Sie kann sowohl festgelegt werden (1x wöchentlich) als auch als Spanne angegeben werden (1-3x wöchentlich). Die Frequenzempfehlung des Katalogs ist zur Orientierung gedacht.

Leitsymptomatik:

Eine Auswahl von maximal drei Leitsymptomatiken ist im Heilmittelkatalog vorgegeben (jeweils a, b oder c). Außerdem kann das Feld patientenindividuelle Leitsymptomatik angekreuzt werden. Dann sollte diese im Freitextfeld darunter beschrieben werden.

Therapiebericht

Soll der Therapeut einen Therapiebericht erstellen, ist hier ein Kreuz zu setzen. Auch ein Hausbesuch kann aus medizinischen Gründen verordnet werden, wenn er zwingend notwendig ist.

Dringlicher Bedarf

Wenn dringlicher Behandlungsbedarf angekreuzt wird, ist innerhalb von max. 14 Tagen mit der Therapie zu beginnen. Ansonsten darf bis zu 28 Tage mit dem Beginn der Behandlung gewartet werden.

 

Heilmittel nach Katalog

Für jede Diagnosegruppe gibt der Heilmittelkatalog passende vorrangige und ergänzende Heilmittel an, bei Lymphabflussstörungen beispielsweise unterschiedliche Formen der Manuellen Lymphdrainage (MLD). Bis zu drei unterschiedliche können verordnet werden.

Behandlungsrelevante Diagnosen

An dieser Stelle ist der ICD-10-Schlüssel der Behandlungsdiagnosen anzugeben. Die Software fügt den Klartext zum ICD-Schlüssel automatisch bei, dieser kann aber händisch angepasst werden, wenn nötig.

Diagnosegruppe

Die Diagnosegruppe muss ausgewählt werden, die Kürzel werden vom Heilmittelkatalog mit Beispieldiagnosen vorgegeben, etwa WS für Wirbelsäulenerkrankungen, CS für Chronisches Schmerzsyndrom, LY für Lymphabflussstörungen oder AT für Störungen der Atmung. 8,7 Mrd. Euro zahlten die Krankenkassen 2019 für Heilmittel. Das sind 3,6 Prozent der Gesamtausgaben.

Quelle: ‘Ärzte Zeitung‘, zuletzt abgerufen am 11.12.2020, Seite 4
(https://www.aerztezeitung.de/E-Paper/?issueid=678&pageno=4)

Mehr Qualität bei der Hilfsmittelversorgung

Was Wann
1. Durchgang im Bundesrat 14. Oktober 2016
1. Lesung im Bundestag 10./11. November 2016
Abschluss des Gesetzgebungsverfahrens Frühjahr 2017
Inkrafttreten März 2017

Die geplanten Änderungen bei Hilfsmitteln zielen in erster Linie auf Qualitätssteigerungen in der Versorgung. Sie betreffen den Prozess der Marktzulassung von Anbietern, die Vorgaben durch das Hilfsmittelverzeichnis, die Ausschreibungen der Kassen und die Entscheidungskompetenz der Versicherten.

  • Mehr Kontrollen in der Präqualifizierung
    Der Gesetzgeber legt verbindlich fest, dass der für die Leistungserbringung erforderliche Eignungsnachweis nur noch durch Vorlage des Zertifikats einer Präqualifizierungsstelle erfolgen kann. Diese sollen zukünftig nur noch tätig werden dürfen, wenn sie akkreditiert sind. Für diese Aufgabe sieht der Entwurf die Deutsche Akkreditierungsstelle (DAkkS) vor. Präqualifizierungsstellen müssen sich demnach alle fünf Jahre neu akkreditieren lassen.
  • Fortschreibung des Hilfsmittelverzeichnisses
  • Anbieterprüfung durch Krankenkassen
  • Neue Kriterien für Qualität
  • Beratung und Informationen für Versicherte

Versorgung mit Wund- und Verbandmitteln
Die Versorgung mit Verbandmitteln ist bisher gesetzlich nur unzureichend definiert, sodass unterschiedliche Krankenkassen bei Erstattungsanträgen für identische oder ähnliche Produkte unterschiedlich handhaben. Das HHGV initiiert eine rechtsverbindliche Definition von klassischen Verbandmitteln, die unmittelbar erstattet werden sollen. Für andere Mittel zur Wundversorgung muss künftig ein Nachweis der medizinischen Notwendigkeit erbracht werden. Der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) wird beauftragt, die Abgrenzung vorzunehmen. Weiterhin soll der GBA die Versorgung von chronischen und schwer heilenden Wunden regeln. Hierbei ist eine Versorgung in speziellen Wundzentren vorgesehen.

Flexibilisierung der Heilmittelversorgung
Zurzeit laufen bereits zwei Modellvorhaben zur sogenannten „Blankoverordnung“ für Heilmittel. Unter einer Blankoverordnung versteht man, dass der Heilmitteltherapeut auf der Grundlage einer vertragsärztlichen Verordnung, die mindestens eine Diagnose und die Indikation für eine Heilmittelbehandlung enthält, selbstständig über die Auswahl und Dauer der Therapie sowie die Behandlungsfrequenz entscheidet. Modellprojekte wie diese sollen nach den Plänen des Gesetzgebers in allen Bundesländern etabliert werden, um die Blankoverordnung flächendeckend zu erproben. Ziel ist es, eine verlässliche und breitere Informationsgrundlage für die Entscheidung zu schaffen, ob die im Rahmen eines Modellvorhabens erprobte Versorgungsform für eine Überführung in die Regelversorgung geeignet ist. Die Modellvorhaben sollen in der Regel längstens drei Jahre laufen.
Die Geltung des Grundsatzes der Beitragssatzstabilität für Heilmittelverträge soll für die Jahre 2017 bis 2019 aufgehoben werden. In diesem Zeitraum sind auch Vertragsabschlüsse oberhalb der Veränderungsrate möglich. Damit will der Gesetzgeber eine größere Flexibilität bei der Vereinbarung der Heilmittelpreise ermöglichen. Die Befristung dient dazu,  Erkenntnisse über die Auswirkungen des Wegfalls der Grundlohnsummenbindung auf den Ablauf der Vergütungsverhandlungen und die Entwicklung der Preise für Heilmittelleistungen zu gewinnen.
Bislang bildet die durchschnittliche Veränderungsrate der beitragspflichtigen Einnahmen der Mitglieder der Krankenkassen für Heilmittelverträge die Obergrenze für Vergütungsanpassungen des Folgejahres.

Quelle: http://www.aok-gesundheitspartner.de/rp/hilfsmittel/gesetze/index_16887.html

Posted on